Hasenheide: Aufstand der Anständigen

Antifa-Chilla 30.09.2008 15:59 Themen: Freiräume Kultur Repression Soziale Kämpfe Ökologie
Ähnlich wie vor kurzem im Görlitzer Park, empören sich nun auch im Berlin-Neuköllner/Kreuzberger "Volkspark" Hasenheide sog. Anwohner gegen unsere Ticker.
Anfang letzter Woche tauchten im Kiez rund um die Hasenheide (Neukölln/Kreuzberg/Tempelhof) diverse Flyer auf, die zu einem Treffen mobilisierten, bei dem Aktionen gegen "Dealer" in der Hasenheide organisiert werden sollten. Ein Bericht dieses Treffens kann hier leider nicht gegeben werden, da wir verplant haben, hinzugehen. Ist aber auch nicht nötig, da es sich hier wie unschwer festzustellen ist, mal wieder um einen Aufstand der "anständigen" kleinen spießigen Deutschen handelt, die gegen alles "Illegale" vorgehen versuchen.

Ganz kurz zur Situation in der Hasenheide:
Bei den "Drogen", die hier verkauft werden, handelt es sich ausschließlich um weiche Drogen. Die von den Anti-Drogen-Anwohnern auf die Zufahrt (Wissmannstraße) geschmierten Parolen wie zB «Finger weg von Kindern, Muttis, Omis» zeigen deutlich, dass die diese keine Ahnung von der Materie haben, da sich die Händler in der Hasenheide dadurch auszeichnen, dass sie bei jüngeren Kunden nachdrücklich nach dem Alter fragen und minderjährigen Kunden nichts verkaufen. Gänzlich zynisch wird die Angelegenheit, als mensch die Anweisung «arbeitslos melden» auf der Zufahrt zur Hasenheide ließt. Die (teilweise illegalisierten) afrikanisch/arabisch-stämmigen Menschen, die durch die deutsche Gesamtscheiße dazu gezwungen werden, ihr Einkommen auf illegale Weise zu beschaffen sind auch so schon hoher Repression (alle 3,4 Wochen: enorme Razzia) ausgesetzt. Eine weiteres Schlagwort der Ordnungsamt-Anwohner ist: «Kulturtoleranz». Alles in allem also eine eklige Soße, die hier (ähnlich wie im Görli) versucht, gegen alles "Illegale", Fremde und durch die Mehrheitsgesellschaft Unerwünschte vorzugehen.

Mal zu dem Argument: "Die belästigen unsere Kinder."
Wer nichts kaufen will, wird ja wohl auch nicht "belästigt" (was immer mensch darunter versteht). Da finde ich es tausendmal neviger, wenn ich auf der Straße von Versatel-, Scientology-, oder NPD-Leuten angesprochen werde. Außerdem zeichnen sich die Ticker in der Hasenheide wie gesagt dadurch aus, dass sie nichts an Unter-18-Jährige verkaufen.

Für ein Selbstbestimmungsrecht der Kiffer.
Hasenheide verteidigen!
Wir bleiben alle!
Unsere Ticker auch.



***TERMINE GEGEN DEUTSCHLAND****
02.10. NoNation-Jam 2008. Party. 22h. Schlagwerk (Saarbrückerstr.)
03.10. Nachttanzdemo. Deutschland in den Rücken fallen! 21h. Rosa-Luxemburg-Platz.
04.10. Theorie-Erkenntnis-Tag. Gegen Staat, Nation und Kapital.
 http://dritteroktober.blogsport.de/
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

mal langsam,

üx 30.09.2008 - 21:59
übrigends war schon die minderjerige christane f. (wir kinder vom bahnof zoo) die kundin eines ausgesprochen netten heroin-dealers auf der hasenheide.

aber, auch wenn ich eure argumente für durchweg zusammengesponnen halte, bin ich der meinung, das drogensüchtige ein aufenthaltsrecht in parkanlagen haben.
problematisch wirds, wenn ex-user angesprochen werden - damit hat der deutsche spiesser aber kein problem.
weiterhin wirds problematisch wenn unbeteiligte angesprochen werden, das passiert fast nie, das weiss jeder zivibulle und tut einiges für sein äusseres. mit angesprochen meine ich in diesem zusammenhang, ausdrücklich das anbieten von drogen.

Polizei gegen "Dealer" in der Hasenheide

Ein Betroffener berichtet 30.09.2008 - 22:54
Was das polizeiliche Vorgehen gegen "schwarze Dealer" in der Hasenheide bedeutet, berichtet ein Betroffener in einem Interview für die Ausstellung "Vom Polizeigriff zum Übergriff":  http://www.polizeigriff.org/broschuere/6interview_hasenheide.html

Kontext

Kein Name 01.10.2008 - 12:05
Interessant ist auch hier wieder der Kontext. Aus dem Artikel zum Bethanien vor ein paar Tagen:

...Dabei ist die Entwicklung des Bethanien und der dauerhafte Verbleib der NewYorck nicht getrennt von der Entwicklung der Gesellschaft, der Stadt und vor allem auch der Entwicklung im Kiez, also in Kreuzberg 36, zu denken. Derzeit steigen in fast ganz Kreuzberg 36 massiv die Mieten, in einigen Gegenden sind massive Verdrängungsprozesse nachweisbar, etwa rund um die Reichenberger Straße. Gleichzeitig nehmen Polizei-Schikanen gegen bestimmte gesellschaftliche Gruppen deutlich zu. Am Kottbusser Tor soll die allerneueste Videoüberwachung mit automatischer Gesichtserkennung getestet werden. An der Reichenberger Straße entstehen sogenannte CarLofts, Luxuswohnungen mit Autostellplatz und Garten auf jeder Etage. Videoüberwacht und mit eigener Security, stehen diese Luxuswohnungen unter dem Motto "Luxus, Komfort und Sicherheit". Im Rahmen von MediaSpree wird die Stadtpolitik komplett unter die Prämisse hoher Profite der beteiligten Konzerne gestellt. "MediaSpree" wird ergänzt durch das Millionen-Euro-Programm Stadtumbau West, das, im Rahmen sogenannter "Aufwertungs"-Strategien, einen zumindest teiweisen Austausch der Bevölkerung in Teilen von Kreuzberg 36 als Ziel formuliert. Und am Oranienplatz fordert der Verein, der jahrelang die offizielle Bürger_innenbeteiligung für den Bezirk durchführte, "türkische Rentner", "trinkfreudige Arbeitslose" und "alkoholkranke Obdachlose" zu vertreiben, um endlich wieder Platz für "normale deutsche Familien" zu schaffen.

Und was tun wir dagegen? Hier noch ein aktueller Hinweis von der Seite www.kreuzberg-info.de/pirati:

+++ Einladung zum Vorbereitungstreffen +++

+++ Demonstration Herbst 2008: Schluß mit den steigenden Mieten in Kreuzberg, Neukölln und überall! Billige Mieten statt hohe Profite für die Hausbesitzer_innen! Verdrängung, Ausgrenzung, Stadtumstrukturierung stoppen! Bezahlbare und gute Wohnungen für alle statt Luxuslofts für wenige! MediaSpree versenken - CarLofts begraben! +++

Seit Jahren steigen in Kreuzberg 36 die Mieten, in den letzten Jahren hat diese Entwicklung dramatisch zugenommen. Menschen mit geringen Einkommen werden durch die steigenden Mieten systematisch aus bestimmen Stadtvierteln verdrängt, etwa dem Reichenberger Kiez. Diejenigen, die bleiben, müssen immer mehr Geld für die Miete aufbringen.

Mit den steigenden Mieten verändert sich auch die Stadt. Am Beispiel Kreuzberg 36: während in der Reichenberger Straße kameragesicherte Luxuslofts mit Autoparkplatz und Garten auf jeder Etage gebaut werden, kommt es im Umkreis verstärkt zu Schikanen von Polizei und Ordnungsamt gegen sogenannte "Randgruppen". Am Kottbusser Tor soll demnächst sogar die neueste Videoüberwachungstechnik inklusive automatischer Gesichtserkennung eingeführt werden.

Während die Mieten in Kreuzberg und Berlin ständig steigen, klafft gleichzeitig die Schere zwischen arm und reich ständig weiter auseinander. Und während der Senat locker mal über 40 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um die Profite der an "MediaSpree" und der O2-Halle beteiligten Konzerne zu sichern, werden die einfachen Menschen mit ihren Problemen alleinegelassen, müssen selbst sehen, wie sie im Alltag mit Hartz IV oder Armutslöhnen überleben.

Ziemlich viele Menschen in Kreuzberg und ganz Berlin sind ziemlich sauer über diese Zustände und die aktulle Entwicklung. Der Widerstand gegen die ständig steigenden Mieten nimmt zu, es bilden sich verstärkt lokale Zusammenhänge, um sich gegenseitig zu informieren und Widerstand zu organisieren. Wir finden es wichtig, daß der Widerstand auch auf der Straße unübersehbar sichtbar ist.

Deswegen möchten wir gerne noch im Herbst dieses Jahres, etwa Ende November, eine Demonstration gegen steigende Mieten, Gentrification, Umstrukturierung und Verdrängung veranstalten. Ein Schwerpunkt der Demo soll Kreuzberg 36 sein. Am Beispiel Kreuzberg 36 können wir derzeit typisch sehen, was Gentrification bedeutet, hier spiegelt sich eine Entwicklung, die weit über Kreuzberg hinaus viele Menschen betrifft. Aber etwa auch Nord-Neukölln ist massiv betroffen, es wäre schön, wenn es eine enge Zusammenarbeit über Bezirksgrenzen hinaus gäbe. Ständig steigende Mieten, zunehmende Ausgrenzung und Verdrängung? Nicht mit uns!

Zur Vorbereitung der Demonstration möchten wir alle interessierten Menschen und Gruppen zu einem ersten Treffen einladen. Das Treffen findet statt am

Dienstag, den 07.10.08, 19 Uhr im Stadtteilbüro in der NewYorck, Bethanien-Südflügel, Mariannenplatz.

Wenn Menschen oder Gruppen sich gerne einbringen wollen, aber an diesem Termin nicht können, freuen wir uns über eine Nachricht an spreepiratinnen(at)gmx(dot)net.

Übrigens: am 14.10. soll das Haus Reichenberger Str. 114, direkt gegenüber den "Carlofts", versteigert werden. Auch hier denken Kaufinteressenten laut über den Bau von Loftwohnungen nach. Die Bewohner_innen fürchten Verdrängung und haben Widerstand angekündigt. Vielleicht können wir den Termin am Dienstag auch nutzen, um zu überlegen, wie wir die Bewohner_innen der Reichenberger Str. 114 am Tag der Versteigerung und darüber hinaus unterstützen können.

AG Spreepirat_innen beim Initiativkreis MediaSpree versenken!

Kritische Anmerkung

Bitte nicht löschen 01.10.2008 - 18:06
Das organisierte Verkaufen von illegalen Dingen - organisierte Kriminalität - ist Ausbeutung. Am wenigsten Lohn und am meisten Strafe bekommen die "Kleinen" am Ende der Kette ab. Hier also die Dealer in der Hasenheide. Eine wenig wünschenswerte Struktur, oder?
Zu den Ausgebeuteten gehören übrigens auch die Kunden (schlechte/gestreckte Ware, überhöhte Preise). Also eben die Käufer.

Mit einem solchen Handeln, einem solchen "System" nützt man weder sich, noch den armen Immigranten. Vielleicht sogar im Gegenteil...

Ich möchte daher anregen, lieber die Kräfte in Richtung Legalisierung/Tolerierung von Hanf zu konzentrieren, anstatt Euch (und uns als Szene insgesamt) in den Geruch zu bringen, Euch zur Interessenvertretung der Hasenheide-Dealer aufschwingen zu wollen.

(Beitrag neu geschrieben, der letzte wurde gelöscht)

Reclaim the parks

Anwohner_In 22.10.2008 - 10:41
"Bei den "Drogen", die hier verkauft werden, handelt es sich ausschließlich um weiche Drogen."

Falsch! Hier wird dem/der Spaziergänger_In die gängige Palette an weichen UND harten Drogen angeboten. Und zwar aufs Aufdringlichste. Im übrigen längst nicht mehr nur im Park, sondern in der Karlsgarten-, Wissmann-, Fontanestraße und im U-Bahnhof Boddinstraße.

"Wer nichts kaufen will, wird ja wohl auch nicht 'belästigt' ..."

Falsch! S.o. Es gibt inzwischen viele Menschen, die die Hasenheide meiden, weil sie sich belästigt fühlen, wenn sie alle paar Meter aufdringlich und penetrant angequatscht und verfolgt werden. So, wie der Ticker seine Freiheit haben soll, seine Sachen zu verticken, will ICH meine Freiheit haben, ungestört durch den Park und die angrenzenden Straßen laufen zu können.

"..., da sich die Händler in der Hasenheide dadurch auszeichnen, dass sie bei jüngeren Kunden nachdrücklich nach dem Alter fragen und minderjährigen Kunden nichts verkaufen."

So ein dummer Quatsch. In dieser Woche sind Herbstferien in Berlin. Jeder, der es nicht "verplant", kann ja mal in der Hasenheide spazieren gehen und die Ticker dabei beobachten, wie sie die Pubertierenden hofieren und ihnen sehr wohl Zeug verkaufen.

Fazit: Der bekiffte Ticker hat dem bekifften Autor auf einem Friedrichshainer Sofa versichert, dass die Zustände in der Hasenheide total aufgebauscht werden und er garantiert immer nach dem Alter der Jugendlichen fragt, bevor er sie in Verkaufsabsicht anspricht, wenn er sie denn überhaupt anspricht, weil er ja niemanden belästigen möchte mit seiner Tickerei.

Fazit II: Einen solchen unrecherchierten und undokumentierten Dünnschiss schreibt sonst nur die BILD.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 15 Kommentare an

oh jaa — Das denk ich mir

hasenheide — hasenfurz

@hasenfurz — icke

bevor hier weiter gebasht wird, — geht mal spazieren

Nicht kinderfreundlich — Gelegenheitsantifa

Hasenheide — Michael

"Bürger-Versammlung" — Diskutant

bäh — Hauser

Jenau — KIMO

progressive Linke?!? — (muss - verdammt noch mal -ausgefüllt werden)

stoff — ben

@jenau so isset — (muss - verdammt noch mal -ausgefüllt werden)