130.000 Klinikbeschäftigte bei Großdemo

Emil Jacobs / Medienkollektiv Berlin 26.09.2008 12:11 Themen: Bildung Globalisierung Soziale Kämpfe
+++ 130.000 Klinikbeschäftigte bei Protest in Berlin +++ von der Bundesregierung beschlossene Finanzspritze von 3,2 Milliarden Euro nicht ausreichend +++
Am Donnerstag protestierten ca. 130.000 Klinikbeschäftigte aus ganz Deutschland in Berlin gegen die katastrophalen Bedingungen an ihren Arbeitstellen. Die Redner, unter ihnen der Ver.di Vorsitzender Frank Bsirske, forderten die von der Bundesregierung beschlossene Finanzspritze von 3,2 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln damit die Kliniken gerettet werden können und nicht noch mehr Arbeitsplätze abgebaut werden müßten.

mehr Bilder unter:
 http://medienkollektiv.blogsport.de/2008/09/26/130000-klinikbeschaeftigte-demonstrieren-in-berlin/

ausführlichere Informationen:

 http://www.n24.de/news/newsitem_3884153.html
 http://www.jungewelt.de/2008/09-26/001.php
 http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Gesundheit;art122,2622377
 http://afp.google.com/article/ALeqM5gIAiKmQJ0zdlqsRkWZbFtaIYzDmA
 http://www.n-tv.de/1028950.html
 http://www.focus.de/politik/deutschland/gesundheitspolitik/gesundheitswesen-massenproteste-trotz-milliardenhilfe_aid_335892.html
 http://www.stern.de/politik/deutschland/:Berliner-Krankenhaus-Demo-Bratw%FCrste-Sparpl%E4ne/640305.html
 http://www.morgenpost.de/printarchiv/seite3/article896058/Kranke_lassen_sich_nicht_im_Akkord_heilen.html
 http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33827
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Ergänzungen

Krankenhaus-Überversorgung

fritze 26.09.2008 - 16:56
Leider geht keiner der verlinkten Artikel auf die Krankenhaus(industrie)-Überversorgung in Deutschland ein. Damit es nicht ganz so einseitig ist und warum Krankenhaussterben richtig und wichtig ist (ohne dass es zu einer Schlechterversorgung kommt):

 http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=987&sid=187

Ziel der Demo?

ich 26.09.2008 - 21:28
1(Ein) zusätzlicher Krankenpfleger pro Klinik wurde ja inzwischen schon zugesichert.

Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, wozu die zusätzlichen Milliarden im weiteren benötigt werden.
Ob alles "erforderliche" im Interesse der 130000 Demonstrierenden liegt?
Eventuell auch zur "Versorgung" ehemaliger Landräte? Ich denke unter anderem an einen neuen Geschäftsführer im Erzgebirgskreis ...

und nicht zu vergessen ...

@fritze

Krankenhaus-Überversorgung? Hier bestimmt nicht, da kannst Du froh sein, wenn Du im Fall des Falles ausreichend schnell vom Rettungswagen erreicht wirst.

»Rettung der Krankenhäuser«

antifa.sozialbetrug 27.09.2008 - 15:07
Beruhigungsspritze

„Kurz vor der heute in Berlin stattfindenden Großdemonstration, zu der das
Aktionsbündnis »Rettung der Krankenhäuser« aufruft, hat die
Bundesregierung eine Finanzspritze von rund drei Milliarden Euro für die
notleidenden Kliniken beschlossen. Außerdem sieht der am Mittwoch
verabschiedete Gesetzentwurf, der noch durch Bundestag und Bundesrat gehen
muß, ein Sonderprogramm zur Schaffung von 21000 Pflegestellen in den
kommenden drei Jahren vor. Die im Bündnis zusammengeschlossenen
Gewerkschaften, Verbände und Krankenhausträger haben die Sofortmaßnahmen
als »Medikament ohne ausreichende Wirkung« kritisiert…“ Artikel von Daniel
Behruzi in junge Welt vom 25.09.2008
 http://www.jungewelt.de/2008/09-25/001.php

b) Ein krankes Gesundheitssystem zeigt die Krankheit des
Gesellschaftssystems! Warum das Gesundheitswesen für den Staat und die
Kapitalistenklasse ein mehrwertschluckender Faktor ist

Flugblatt der Gruppe Wissenschaftlicher Sozialismus (GWS) vom September
2008 anläßlich der Demo
 http://www.trend.infopartisan.net/trd0908/t380908.html

Aus dem Text: „…Kämpfe für die Verbesserung der Gesundheitsleistungen sind
legitim. Allerdings dürfen wir hierbei nicht stehen bleiben, da die
Ursache für das kranke Gesundheitssystem im kapitalistischen
Gesellschaftssystem liegt. Somit ist die Frage wie das System, dass den
Kapitalismus ablöst und uns gesellschaftlichen Fortschritt garantiert,
aussehen muss von immenser Wichtigkeit!“

 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-post-3115.html#3115

Ursachen?

Class War 30.09.2008 - 15:33
Vielleicht erwähnenswert, dass die Notstände
in der Krankenpflege auch die Reform von 2002 zur Ursache haben, woran
die Bertelsmannstiftung (wie ja an anderen Bereichen auch)beteiligt
war. Seit damals wurden die Krankenhäuser von der öffentlichen Finanzierung
gemäß _Bettenzahl_ umgestellt auf Finanzierung gemäß _Fallpauschalen_ und auf "eigenständiges" Gewinnmanagement. Fallpauschalen - das bezieht sich, wenn ich es richtig nachgelesen habe, auf die PatientInnen, die in die Krankenhäuser eintrudeln. Zugleich werden an den Krankenhäusern Personalkosten eingespart, um "wettbewerbsfähig" zu bleiben etc. Siehe:
 http://www.freitag.de/2007/43/07431801.php
Die Folge ist ja offenbar, dass die betreffenden Krankenhäuser
PatientInnen immer rascher durchschleusen, um, sozusagen, bei hoher
"Stückzahl" auf mehr Einnahmen zu kommen. Das Vorbild bei diesem neuen
Konzept ist die Automobilindustrie. Der Manager vom Centrum für
Krankenhausmanagement, Wilfried v. Eiff, der bei der Reform beratend
beteiligt war, hatte eine Beratertätigkeit in der Automobilbranche
hinter sich, bevor er im CKM tätig war. Es ging also ziemlich unverhohlen um eine Umstellung auf Produktindustriemanagement an Krankenhäusern. Wir sollten deshalb wohl bei Arbeitskämpfen in der Pflege auch deutlich machen, dass die gesetzlich geschaffenen Strukturen ein Desaster sind.




Millardenspritze

Gandalf 09.10.2008 - 23:35
Das Ding ist ja eigentlich folgendes: Es ist überhaupt nicht das Ziel dauerhaft sichere Jobs zu schaffen, oder gar für (wo denke ich hin) bessere Bedingungen für Patienten zu sorgen, sondern kränkelnde Abteilungen der Krankenhäuser aufzupeppen um möglichst hohen Gewinn aus Zerschlagung und Privatisierung zu schlagen.

Dieses Geld wird etwa vornehmlich zur Zentralisierung zB der Personalverwaltungen oder auch der Küchen, besonders in größeren Städten mit vielen Krankenhäusern verwendet, was gegenüber der medizinisch/fachlichen Belegschaft aber auch den Patienten einen Qualitätsverlust, aber eine Gewinnmaximierung darstellt. Ebenso werden krankenhauseigene Systeme wie ein Patientenbegleitdienst (hauptsächlich Schüler/Studentenjobs) der immer sachdienlich aufgebaut war völlig ausgelagert, was in Kombination mit der Zusammenstreichung von Zivildienststellen auch zu einer Mehrbelastung der Festangestellten führt.

Die Sicherheit und Qualität aller Jobs kann nicht durch gewaltige Summen garantiert werden, da sie nicht Zweckgebunden sind sondern am Ende gegen die Angestelten verwendet werden. Demonstrationen, besonders im Bereich der sog. "Gesundheit Nord" (eine Holding-Gesellschaft) die sich explizit gegen solche zerstörerischen Tendenzen richten halte ich da für sinnvoller, obwohl bisher in dieser Frage leider auch noch nichts zählbares bei rausgekommen ist.

Gegen das Gewinnstreben im Gesundheitssektor! Menschen sind keine Spekulationsobjekte!