TAG X
Man redet viel über ihn, er ist so eine Art „geflügeltes Wort“, ein Synonym. Viele sehnen ihn herbei, noch mehr fürchten ihn, und andere wiederrum geben sich gezielt Mühe ihn herbeizuführen, bzw. ihn zu verhindern. Wenn ich jetzt vom Tag X rede, dann meine ich damit nicht die politisch einheitliche soziale Massenrevolution, keine 68er Verhältnisse, auch nicht den Gipfel eines gewaltsamen Kampfes einer oder mehrerer Gruppen gegen das aktuelle System, sondern eher den Zusammenbruch des jetzigen Gesellschaftssystems aufgrund seiner offensichtlichen Unzulänglichkeiten.
Dieser Weg ist meiner Meinung nach fest vorgegeben, sozusagen von vornherein in das aktuelle gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche System implantiert.
Wenn die Schere zwischen Arm und Reich eine gewisse Spanne erreicht hat, muss es ganz automatisch dazu kommen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Auswirkung des Systems auf die Umwelt. Nicht zuletzt an ihr merkt man leicht, wie es um die Menschen und ihr jeweiliges System steht. Mit System meine ich welcher Weg zur Bewältigung der Probleme großer Menschenmassen eingeschlagen wird. Im aktuellen System ist alles, und ganz besonders die Umwelt, dem Profit untergeordnet. Die Masse der Menschen hinterfragt das System nicht und sieht den Menschen als die Krone der Schöpfung. Sortiert sich selbst, seine Mitmenschen und so gut wie jeden Stoff, jedes Tier und Ding nach seiner materiellen Verwertbarkeit oder noch häufiger nach seinem finanziellen Wert.
Auch aufgrund dessen wird es unweigerlich zu dem im folgendem beschriebenen Szenario kommen. Denn nur mal angenommen, die Menschen in unserem Kulturkreis finden in naher Zukunft irgendeine Art der Lösung für das kapitalistische Problem der Gesellschaften und vermögen es, die Schere zwischen Arm und Reich wieder mehr zu schliessen oder zumindest die Armen und Prekären ruhig zustellen, stellt dies nur einen zeitlich begrenzten Aufschub für den unausweichlichen Tag X dar. Denn das Problem der Umwelt ist ungleich gewaltiger und deutlich schwieriger zu kontrollieren.
Zu den immer größer werdenden Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingsströmen überall auf der Welt kommt auch bald eine wachsende Zahl von Klimaflüchtlingen hinzu. Menschen auf der Suche nach Nahrung, sauberer Luft und Wasser, Menschen auf der Flucht vor extremen Wetterphänomenen...
Wirklich nur eine Utopie?
Um diesen Flüchtlingen den Zugang zu den eigenen letzten Reserven und Resourcen zu erschweren oder ganz zu verweigern, werden die westlichen Systeme sich immer mehr nach aussen abschotten und ihre Grenzen schärfer sichern und bewachen. Als Exempel können heute schon die EU-finanzierten Auffanglager in Marokko, Costa Rica und anderswo für Flüchtlinge Richtung Europa und die vielen toten afrikanischen Bootsflüchtlinge jedes Jahr sowie die Grenzsicherungstaktik der EU-Staaten an ihren Aussengrenzen gennant werden.i
So hieß es auch im Spiegel Nr.10 vom 03.03.2008 unter der Überschrift "Europäische Union – Ring von Freunden" zu den Gründen der Milliardeninvestitionen der EU in die EU-Anrainerstaaten: "Der Erfolg dieser Investition, so hofft Ferrero-Waldner (Anm.: EU-Kommisarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik, DAF.), soll ein wirtschaftlich einigermaßen blühendes und politisch einigermaßen stabiles Vorfeld an Europas Grenzen sein. Wenn es diesen "Ring von Freunden" gibt, dann könnten zum Beispiel auch Terroristen und unerwünschte Einwanderer ferngehalten werden.”
Die EU-Staaten folgen ganz klar dem Trend der heutigen Zeit, Probleme jeglicher Art von sich wegzuschieben. Sei es nun zeitlich (Atomausstieg, Regenerative Energiequellen, Umweltschonende Politik, reele CO2-Obergrenzen für Autos) oder örtlich (Asylrecht, Rohstoffpolitik). Nur ist es so, dass mit Problemen nur auf zwei Arten umgegangen werden kann: man löst sie oder man löst sie nicht. Oder, wie es seit langer Zeit geschieht, man beschäftigt sich nicht mit den ursächlichen Problemen, sondern nur mit den Auswirkungen dieser.
Die Weichen sind gestellt.
Auch nach innen werden die Staaten immer repressiver und aggressiver agieren. Der Staat wird sich und seine ihm wichtigen Organe um jeden Preis schützen wollen. Das wird heute schon immer deutlicher. Hier seien nur kurz Beispiele zu nennen, wie die Bundeswehreinsätze im Inneren, der so genannte Bundestrojaner, die vielen erwiesenen Lügen über die Anti-G8-Demonstranten 2007 in Heiligendamm, die automatische Kennzeichenerfassung auf deutschen Autobahnen, die Zusammenlegung der Datenbanken von Polizei und Geheimdienst, die Vorratsdatenspeicherung, Ausweise und Reisepässe mit biometrischen Daten und vieles andere.ii
So kommt Oberstleutnant Jürgen Rose vom Arbeitskreis Darmstädter Signal betreffs der Regierungspläne für Einsätze der Bundeswehr im Inneren zu folgendem Resümee: "Offenbar befürchtet man, dass die Bevölkerung irgendwann rebellisch wird und die Villen in den Vorstädten brennen. Für diesen potentiellen Bürgerkrieg will man vorbeugen." Er sieht schon Ortskämpfe in Hamburg-Blankenese, Oberursel, Baden-Baden und Starnberg bei München.iii
Zwar hat das höchste deutsche Gericht ein ums andere Mal die Politiker zurückgepfiffen und an das Grundgesetz erinnert, aber die Pläne von Schäuble und Co. nehmen immer abstraktere bzw. aus ihrer Sicht klarere Formen an. Und sie wissen: die Zeit, die manipulierbare kollektive Angst und ein diffuses Sicherheitsbedürfnis eines Großteils der Gesellschaft werden ihnen kurz- oder mittelfristig in die Hände spielen.
Die Wirtschaft verdient.
In unserer "Sozialen Marktwirtschaft" wird alles sozial, was Markt schafft.
Die verdrehte Absurdität unserer Gesellschaftssysteme wird immer offensichtlicher.
Nicht nur im immer als negatives Beispiel herhalten müssenden "Evil Empire" USA wird propagandistisch mit Krieg der Frieden gefördert. George W. Bush unterzeichnete am 20.03.2008 eine Anordnung, die Waffenlieferungen in das unabhängige Kosovo ermöglicht. Darin heißt es, daß der militärische Beistand die "Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken wird und den Weltfrieden fördert." Doch auch im friedfertigen "good old Europe" wird verdreht, was zu verdrehen geht, wenn es um die nationale Wirtschaft, die Sicherheit des Staates und/oder die Interessen des Militärs geht. So wird sich in der Öffentlichkeit, bzw. den Massenmedien immer noch darüber gewundert, dass man im Krieg sterben kann (z.B. Bundeswehrtote in Afgahnistan), dass Kapitalisten kapitalistisch sind (aktuell die Firma Nokia, die aus Finnland nach Deutschland kam, da es hier billiger war und jetzt nach Rumänien weiterzieht, da es dort zur Zeit billiger ist) oder das Faschisten wirklich faschistisch sind (so unter anderem die "Skandale" in den Parlamenten in Sachsen und anderswo) oder auch, dass sich bei einer Klimaerwärmung das Klima erwärmt (Mücken und Zecken im Januar, Schnee Ende März, schmelzende Gletscher, ertrinkende Robben und Eisbären usw.).
Dieser Logik des Verdrehens und Verdrängens folgend forderte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kürzlich im Angesicht der jüngsten so genannten "Turbulenzen an den Finanzmärken" auch ein Eingreifen der Politik. Er sagte, an die "Selbstheilungskräfte der Märkte" glaube er nicht. Ein starkes Statement für einen der grössten Kapitalisten. Zwei Tage später allerdings nannte Wirtschaftsminister Glos diese Äußerungen "überraschend und widersprüchlich". Wo sonst "weniger Staat gefordert werde, erklinge jetzt der Ruf nach mehr Staat". Ackermann relativierte umgehend seine Aussage, er hätte "keinen Zweifel an der Stabilität des Bankensystems".
Und nun?
Dies alles sind nur kleine Beispiele, eine minimale Aufzählung der Auswirkungen der Unzulänglichkeiten unseres Systems. Die Wirtschaft schlingert, doch das Managment verdient. Der Staat fördert die Wirtschaft und kürzt beim Bürger, der immer stärker kontrolliert wird. Die Mittelschicht schrumpft, der Langzeitarbeitslose muss umziehen oder sich ein Zimmer zuschrauben lassen. Die Natur wird ausgebeutet, Lebensmittel zu Benzin, Pflanzen zu Genexperimenten, Tiere zu mit Antibiotika und Amphetaminen zugedröhnten Würsten verdinglicht. Der Krieg wird zum Frieden, die Nation immer nationalistischer, die EU immer mehr zur Festung der "Vereinigten Staaten von Europa", die Soldaten zu Hilfspolizisten. Der Innenminister immer mehr zum Minister für öffentliche Emotionen und Experte im Ausländerecht. Die Begriffe werden munter weiter gewürfelt: Wer ist Arbeitgeber, wer Arbeitnehmer, sind soziale Härtefälle wirtschaftlich ruinierte Personen oder asoziale Elemte ohne einen funken Menschlichkeit? Haben sozial schwache Familien ein Minus auf dem Konto oder einen niedrigen IQ?
Statt Ausländerfeindlichkeit gibt es jetzt "Inländerfeundlichkeit" oder "Inländerfeindlichkeit". Immer mehr Finanzströme fliessen in die Taschen Weniger, immer mehr Verluste werden vergesellschaftlicht, Banken mit Steuergeldern gepusht. Alles geht an die Börse. Nichts existiert ausserhalb des Periodensystem des Kapitalismus.
Tag W? Tag X? Tag Y?
Sind solche Gedanken pessimistisch oder realistisch? Meiner Meinung nach wird irgendwann in naher Zukunft ein Tag X kommen, vielleicht in fünf, vielleicht in zwanzig Jahren. Aber er wird kommen und ein Großteil von uns wird ihn "erleben".
Und es wird kein schöner Tag sein, aber doch ein unvermeidlicher und notwendiger. Eruptiv wird sich in einem Großteil der Gesellschaft die aufgestaute Agression entladen und diese wird zu einem spontanen, emotionalen und von unkontrollierter Wut geprägten Aufstand führen. Die obere Klinge der Schere wird sich natürlich schützen wollen und wird dahingehend auch vor nichts zurückschrecken.
Wie übersteht man heil die Zeit des Chaos der Übergangsphase? Flüchten? Rechtzeitig auswandern, dahin, wo so wenig Menschen wie möglich sind? Oder aber: wie kann man aktiv darauf hinwirken diese Zeitspanne zu verkürzen?
Die Frage ist auch, wie werden die Tage danach aussehen, und was kann ich tun?
Diesen Frage sollte man sich ab einem gewissen Punkt gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen stellen, finde ich, und auch mit möglichst vielen Menschen darüber diskutieren. Aufzuhalten sind diese Geschehnisse wohl kaum noch. Zu mächtig die Wirtschaft und die Politik, zu träge, zu fett die Menschen in diesen Systemen. Also haltet Augen und Ohren offen.
So lange jeder nur im Heute denkt, kann es aber kein Morgen geben!
1. Siehe auch:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,437936,00.html, Artikel über "verheerende Zustände in Flüchtlingscamps" auf den Kanarischen Inseln, oder auch: www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/0/9239af013a601632c12570c7003c0408?OpenDocument, amnesty journal Dezember 2005 "Marokko – Draußen vor dem Tor")
2. Verweise: unter
http://www.ermittlungsausschuss.antifa.net/sphp/static.php?page=static070613-165648 ein G8-Bericht vom Legal Team,
http://de.indymedia.org/2007/06/185734.shtml ein Bericht über Presse- und Polizeilügen, Agents Provocateurs etc. in Heiligendamm,
http://www.tagesschau.de/inland/ueberwachung/index.html "Alltag Überwachung" Video-Serie und Video-Dossier und Infos zur alltäglichen Überwachung,
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26136/1.html Artikel über Bundeswehreinsatz im Inneren, Haltung des Millitärs, der Politik, aktuelle Gesetzeslage und mehr,
http://www.kfz-kennzeichenerkennung.de dieWerbeseite einer Firma, die Kfz-Kennzeichenerfassungssystme und Videoüberwachungssysteme und Technologie zur Identifizierung, Biometriedatenkontrolle etc. verkauft,
http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/949/143628/ Artikel "Spione auf der Strasse", unter
http://www.tagesschau.de/inland/autokennzeichen8.html ein Interview zum Karlsruher Urteil mit ARD-Rechtsexperte "Die Kennzeichenerfassung kommt trotzdem",
http://www.focus.de/politik/deutschland/sicherheit_aid_138769.html Artikel "Schäuble plant Abhörzentrale",
auf
http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=14378 geht es um die Anti-Terror-Datei, "Bundesregierung beschließt gemeinsame Datenbank von Polizei und Geheimdiensten".
3. nachzulesen unter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26136/1.html
Letzter Zugriff auf alle Internet-Adressen am 02.04.2008.
Wenn die Schere zwischen Arm und Reich eine gewisse Spanne erreicht hat, muss es ganz automatisch dazu kommen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Auswirkung des Systems auf die Umwelt. Nicht zuletzt an ihr merkt man leicht, wie es um die Menschen und ihr jeweiliges System steht. Mit System meine ich welcher Weg zur Bewältigung der Probleme großer Menschenmassen eingeschlagen wird. Im aktuellen System ist alles, und ganz besonders die Umwelt, dem Profit untergeordnet. Die Masse der Menschen hinterfragt das System nicht und sieht den Menschen als die Krone der Schöpfung. Sortiert sich selbst, seine Mitmenschen und so gut wie jeden Stoff, jedes Tier und Ding nach seiner materiellen Verwertbarkeit oder noch häufiger nach seinem finanziellen Wert.
Auch aufgrund dessen wird es unweigerlich zu dem im folgendem beschriebenen Szenario kommen. Denn nur mal angenommen, die Menschen in unserem Kulturkreis finden in naher Zukunft irgendeine Art der Lösung für das kapitalistische Problem der Gesellschaften und vermögen es, die Schere zwischen Arm und Reich wieder mehr zu schliessen oder zumindest die Armen und Prekären ruhig zustellen, stellt dies nur einen zeitlich begrenzten Aufschub für den unausweichlichen Tag X dar. Denn das Problem der Umwelt ist ungleich gewaltiger und deutlich schwieriger zu kontrollieren.
Zu den immer größer werdenden Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingsströmen überall auf der Welt kommt auch bald eine wachsende Zahl von Klimaflüchtlingen hinzu. Menschen auf der Suche nach Nahrung, sauberer Luft und Wasser, Menschen auf der Flucht vor extremen Wetterphänomenen...
Wirklich nur eine Utopie?
Um diesen Flüchtlingen den Zugang zu den eigenen letzten Reserven und Resourcen zu erschweren oder ganz zu verweigern, werden die westlichen Systeme sich immer mehr nach aussen abschotten und ihre Grenzen schärfer sichern und bewachen. Als Exempel können heute schon die EU-finanzierten Auffanglager in Marokko, Costa Rica und anderswo für Flüchtlinge Richtung Europa und die vielen toten afrikanischen Bootsflüchtlinge jedes Jahr sowie die Grenzsicherungstaktik der EU-Staaten an ihren Aussengrenzen gennant werden.i
So hieß es auch im Spiegel Nr.10 vom 03.03.2008 unter der Überschrift "Europäische Union – Ring von Freunden" zu den Gründen der Milliardeninvestitionen der EU in die EU-Anrainerstaaten: "Der Erfolg dieser Investition, so hofft Ferrero-Waldner (Anm.: EU-Kommisarin für Außenbeziehungen und europäische Nachbarschaftspolitik, DAF.), soll ein wirtschaftlich einigermaßen blühendes und politisch einigermaßen stabiles Vorfeld an Europas Grenzen sein. Wenn es diesen "Ring von Freunden" gibt, dann könnten zum Beispiel auch Terroristen und unerwünschte Einwanderer ferngehalten werden.”
Die EU-Staaten folgen ganz klar dem Trend der heutigen Zeit, Probleme jeglicher Art von sich wegzuschieben. Sei es nun zeitlich (Atomausstieg, Regenerative Energiequellen, Umweltschonende Politik, reele CO2-Obergrenzen für Autos) oder örtlich (Asylrecht, Rohstoffpolitik). Nur ist es so, dass mit Problemen nur auf zwei Arten umgegangen werden kann: man löst sie oder man löst sie nicht. Oder, wie es seit langer Zeit geschieht, man beschäftigt sich nicht mit den ursächlichen Problemen, sondern nur mit den Auswirkungen dieser.
Die Weichen sind gestellt.
Auch nach innen werden die Staaten immer repressiver und aggressiver agieren. Der Staat wird sich und seine ihm wichtigen Organe um jeden Preis schützen wollen. Das wird heute schon immer deutlicher. Hier seien nur kurz Beispiele zu nennen, wie die Bundeswehreinsätze im Inneren, der so genannte Bundestrojaner, die vielen erwiesenen Lügen über die Anti-G8-Demonstranten 2007 in Heiligendamm, die automatische Kennzeichenerfassung auf deutschen Autobahnen, die Zusammenlegung der Datenbanken von Polizei und Geheimdienst, die Vorratsdatenspeicherung, Ausweise und Reisepässe mit biometrischen Daten und vieles andere.ii
So kommt Oberstleutnant Jürgen Rose vom Arbeitskreis Darmstädter Signal betreffs der Regierungspläne für Einsätze der Bundeswehr im Inneren zu folgendem Resümee: "Offenbar befürchtet man, dass die Bevölkerung irgendwann rebellisch wird und die Villen in den Vorstädten brennen. Für diesen potentiellen Bürgerkrieg will man vorbeugen." Er sieht schon Ortskämpfe in Hamburg-Blankenese, Oberursel, Baden-Baden und Starnberg bei München.iii
Zwar hat das höchste deutsche Gericht ein ums andere Mal die Politiker zurückgepfiffen und an das Grundgesetz erinnert, aber die Pläne von Schäuble und Co. nehmen immer abstraktere bzw. aus ihrer Sicht klarere Formen an. Und sie wissen: die Zeit, die manipulierbare kollektive Angst und ein diffuses Sicherheitsbedürfnis eines Großteils der Gesellschaft werden ihnen kurz- oder mittelfristig in die Hände spielen.
Die Wirtschaft verdient.
In unserer "Sozialen Marktwirtschaft" wird alles sozial, was Markt schafft.
Die verdrehte Absurdität unserer Gesellschaftssysteme wird immer offensichtlicher.
Nicht nur im immer als negatives Beispiel herhalten müssenden "Evil Empire" USA wird propagandistisch mit Krieg der Frieden gefördert. George W. Bush unterzeichnete am 20.03.2008 eine Anordnung, die Waffenlieferungen in das unabhängige Kosovo ermöglicht. Darin heißt es, daß der militärische Beistand die "Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken wird und den Weltfrieden fördert." Doch auch im friedfertigen "good old Europe" wird verdreht, was zu verdrehen geht, wenn es um die nationale Wirtschaft, die Sicherheit des Staates und/oder die Interessen des Militärs geht. So wird sich in der Öffentlichkeit, bzw. den Massenmedien immer noch darüber gewundert, dass man im Krieg sterben kann (z.B. Bundeswehrtote in Afgahnistan), dass Kapitalisten kapitalistisch sind (aktuell die Firma Nokia, die aus Finnland nach Deutschland kam, da es hier billiger war und jetzt nach Rumänien weiterzieht, da es dort zur Zeit billiger ist) oder das Faschisten wirklich faschistisch sind (so unter anderem die "Skandale" in den Parlamenten in Sachsen und anderswo) oder auch, dass sich bei einer Klimaerwärmung das Klima erwärmt (Mücken und Zecken im Januar, Schnee Ende März, schmelzende Gletscher, ertrinkende Robben und Eisbären usw.).
Dieser Logik des Verdrehens und Verdrängens folgend forderte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kürzlich im Angesicht der jüngsten so genannten "Turbulenzen an den Finanzmärken" auch ein Eingreifen der Politik. Er sagte, an die "Selbstheilungskräfte der Märkte" glaube er nicht. Ein starkes Statement für einen der grössten Kapitalisten. Zwei Tage später allerdings nannte Wirtschaftsminister Glos diese Äußerungen "überraschend und widersprüchlich". Wo sonst "weniger Staat gefordert werde, erklinge jetzt der Ruf nach mehr Staat". Ackermann relativierte umgehend seine Aussage, er hätte "keinen Zweifel an der Stabilität des Bankensystems".
Und nun?
Dies alles sind nur kleine Beispiele, eine minimale Aufzählung der Auswirkungen der Unzulänglichkeiten unseres Systems. Die Wirtschaft schlingert, doch das Managment verdient. Der Staat fördert die Wirtschaft und kürzt beim Bürger, der immer stärker kontrolliert wird. Die Mittelschicht schrumpft, der Langzeitarbeitslose muss umziehen oder sich ein Zimmer zuschrauben lassen. Die Natur wird ausgebeutet, Lebensmittel zu Benzin, Pflanzen zu Genexperimenten, Tiere zu mit Antibiotika und Amphetaminen zugedröhnten Würsten verdinglicht. Der Krieg wird zum Frieden, die Nation immer nationalistischer, die EU immer mehr zur Festung der "Vereinigten Staaten von Europa", die Soldaten zu Hilfspolizisten. Der Innenminister immer mehr zum Minister für öffentliche Emotionen und Experte im Ausländerecht. Die Begriffe werden munter weiter gewürfelt: Wer ist Arbeitgeber, wer Arbeitnehmer, sind soziale Härtefälle wirtschaftlich ruinierte Personen oder asoziale Elemte ohne einen funken Menschlichkeit? Haben sozial schwache Familien ein Minus auf dem Konto oder einen niedrigen IQ?
Statt Ausländerfeindlichkeit gibt es jetzt "Inländerfeundlichkeit" oder "Inländerfeindlichkeit". Immer mehr Finanzströme fliessen in die Taschen Weniger, immer mehr Verluste werden vergesellschaftlicht, Banken mit Steuergeldern gepusht. Alles geht an die Börse. Nichts existiert ausserhalb des Periodensystem des Kapitalismus.
Tag W? Tag X? Tag Y?
Sind solche Gedanken pessimistisch oder realistisch? Meiner Meinung nach wird irgendwann in naher Zukunft ein Tag X kommen, vielleicht in fünf, vielleicht in zwanzig Jahren. Aber er wird kommen und ein Großteil von uns wird ihn "erleben".
Und es wird kein schöner Tag sein, aber doch ein unvermeidlicher und notwendiger. Eruptiv wird sich in einem Großteil der Gesellschaft die aufgestaute Agression entladen und diese wird zu einem spontanen, emotionalen und von unkontrollierter Wut geprägten Aufstand führen. Die obere Klinge der Schere wird sich natürlich schützen wollen und wird dahingehend auch vor nichts zurückschrecken.
Wie übersteht man heil die Zeit des Chaos der Übergangsphase? Flüchten? Rechtzeitig auswandern, dahin, wo so wenig Menschen wie möglich sind? Oder aber: wie kann man aktiv darauf hinwirken diese Zeitspanne zu verkürzen?
Die Frage ist auch, wie werden die Tage danach aussehen, und was kann ich tun?
Diesen Frage sollte man sich ab einem gewissen Punkt gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen stellen, finde ich, und auch mit möglichst vielen Menschen darüber diskutieren. Aufzuhalten sind diese Geschehnisse wohl kaum noch. Zu mächtig die Wirtschaft und die Politik, zu träge, zu fett die Menschen in diesen Systemen. Also haltet Augen und Ohren offen.
So lange jeder nur im Heute denkt, kann es aber kein Morgen geben!
1. Siehe auch:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,437936,00.html, Artikel über "verheerende Zustände in Flüchtlingscamps" auf den Kanarischen Inseln, oder auch: www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/0/9239af013a601632c12570c7003c0408?OpenDocument, amnesty journal Dezember 2005 "Marokko – Draußen vor dem Tor") 2. Verweise: unter
http://www.ermittlungsausschuss.antifa.net/sphp/static.php?page=static070613-165648 ein G8-Bericht vom Legal Team,
http://de.indymedia.org/2007/06/185734.shtml ein Bericht über Presse- und Polizeilügen, Agents Provocateurs etc. in Heiligendamm,
http://www.tagesschau.de/inland/ueberwachung/index.html "Alltag Überwachung" Video-Serie und Video-Dossier und Infos zur alltäglichen Überwachung,
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26136/1.html Artikel über Bundeswehreinsatz im Inneren, Haltung des Millitärs, der Politik, aktuelle Gesetzeslage und mehr,
http://www.kfz-kennzeichenerkennung.de dieWerbeseite einer Firma, die Kfz-Kennzeichenerfassungssystme und Videoüberwachungssysteme und Technologie zur Identifizierung, Biometriedatenkontrolle etc. verkauft,
http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/949/143628/ Artikel "Spione auf der Strasse", unter
http://www.tagesschau.de/inland/autokennzeichen8.html ein Interview zum Karlsruher Urteil mit ARD-Rechtsexperte "Die Kennzeichenerfassung kommt trotzdem",
http://www.focus.de/politik/deutschland/sicherheit_aid_138769.html Artikel "Schäuble plant Abhörzentrale", auf
http://www.ngo-online.de/ganze_nachricht.php?Nr=14378 geht es um die Anti-Terror-Datei, "Bundesregierung beschließt gemeinsame Datenbank von Polizei und Geheimdiensten". 3. nachzulesen unter:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26136/1.html Letzter Zugriff auf alle Internet-Adressen am 02.04.2008.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Soziale Frage
Es scheint so, als ob es sich hierbei um ein "Kurven-Phänomen" handelt, dessen Spitzen eben der Versuch der Beantwortung der jeweiligen Sozialen Frage ist. Jeder dieser Versuche war bis jetzt nur eine Reform! Eine revolutionäre Beantwortung gab es nie, denn es wäre die endgültige Beantwortung der Sozialen Frage(n).
Viele dieser "Reformen" verschlimmern sogar die Lage, oder führen, wie im Hitlerfaschismus, zur Verfolgung von "Sündenböcken". (Die Realität war etwas komplexer - entschuldigt bitte meine verkürzte Darstellung!)
Spontan
Abgesehen davon, dass die deutsche Arbeiterklasse leider schon oft genug bewiesen hat, dass sie in Krisenzeiten lieber faschistischen "Starken Männern" zuläuft als spontan eine soziale Revolution zu starten. Die Theorie der unvermeidbaren Revolution hat immer nur dazu geführt, dass Revolutionäre ihre Hände in den Schoss legen und den Tod tausende Arbeite und Unterdrückter in Kauf nehmen. Man darf die macht der Ideologien auf keine Fall unterschätzen!
Moderationspolitik
Streng genommen handelt es sich bei dem Artikel auch nicht um einen Bericht, sondern um einen Kommentar. Also nichts für das Newswire. Es gibt allerdings eine Grauzone, so haben sich die Mods entschieden bei 'guten' Kommentaren diese ins Newswire zuzulassen. So sehr eine Diskussion über den Artikel sicher interessant sein möge, ist dies nicht primär Anliegen von indymedia.
Soviel vielleicht zum Verständnis, ansonsten viel Spaß beim Lesen :)
Zusammenbruch
Worum es der Linken gehen sollte angesichts der globalen Krisenlage ist weniger, mittels einer Revolution zum geeigneten Zeitpunkte die Macht über das System an sich zu reißen, um es dann umzukrempeln, das hat in der Vergangenheit nicht sonderlich geklappt und wird in einer Zeit globaler Krisen der gesamten Zivilisation noch weniger klappen. Stattdessen muß für Freiräume gekämpft werden, um in Nischen und Lücken, die in der bröckelnden alten Ordnung aufgehen, die Grundlagen für eine neue, andere Zivilisation zu legen, und wenn alles gut läuft, sieht die Welt in ein paar Jahrhunderten nicht mehr total beschissen aus - und die größten und schlimmsten Blutbäder im Zuge des Niederganges des alten Systems können vermieden werden.
Wer jetzt auf eine Revolution hofft, spielt der Rechten in die Hand, und was dabei herauskommt, wenn die Rechte Revolution macht, hat man ja gesehen.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
In Zukunft — stell ich auch meine Schularbeit hier rein
Prozess Y — CallOut
Vorsicht! — SD
Anmerkung — Reservist
Ey eure Ergänzungspolitik — Bum
500 Jahre — dao
DAF? Deutsche Arbeiter Front? — egal
Der Gipfel der Hinlosigkeit? Dreistigkeit? — Hinweis: Deine Ergänzung
Thx — rowdy