Morgen: Protest für JUZ Verden!!!

Soli JUZ Verden 07.07.2008 15:09 Themen: Antifa Freiräume Soziale Kämpfe
Morgen steht oder fällt das Jugendzentrum in Verden. Politiker von CDU und SPD machen jetzt öffentlich mobil gegen die Selbstverwaltung. Jugendliche und AntifaschistInnen halten dagegen! Morgen 15.30 Uhr Rathausplatz Verden - zur Entscheidung des Stadtrats!
Der Bürgermeister Lutz Brockmann, bisher dem Jugendzentrum wohlgesonnen, hat jetzt der Aufhebung der Selbstverwaltung das Wort geredet. Gleichzeitig bekommt ein CDU-Ratsmitglied ein ausführliches Interview in der Tagespresse. Darin wettert er gegen die Dominanz von linksextremistischen Kräften im Verdener Jugendzentrum. Zuerst forderte die NPD die Schließung, klar warum! CDU und SPD wollen ein städtisches Jugendzentrum, damit ginge ein Freiraum für Jugendliche und Antifaschisten verloren – wer davon profitiert, ist klar: Nazis und andere Reaktionäre. Das Jugendzentrum Verden in Selbstverwaltung setzt sich seit 30 Jahren gegen Neonazis und für eine soziale Gesellschaft ein - gegen reaktionäre Kräfte. Das Jugendzentrum half des öfteren bei der Organisation antifaschistischer Demonstrationen, Vorträgen, Ausstellungen usw. Im Jugendzentrum existiert seit 1994 der antifaschistische Infoladen Kontra, welcher für die kleine Stadt, bzw. den Landkreis eine Kontinuität darstellt, wie wir sie in ländlichen Gegenden kaum mehr antreffen. Im gesamten Norddeutschen Raum ist das Jugendzentrum Verden bekannt für Punkkonzerte und antifaschistische (Soli-)Gigs.

Es steht für eine vielfältige Jugendkultur und für konsequenten Antifaschismus in der Provinz. Sollte das Jugendzentrum fallen, hätte dies auch mittelfristige Auswirkungen auf die umliegenden Städte wie Bremen. Denn dank Jugendzentrum und Trägerverein ist es in Verden (Stadt) seit 30 Jahren zu keiner dominanten Neonazipräsenz gekommen, trotz NPD und Heisenhof.

Morgen, am Dienstag, den 08.07.2008 geht um die Wurst: Ab 15.30 Uhr auf dem Rathausplatz!

Mehrere Jugendhäuser aus Bremen habens erkannt und mobilisieren schon nach Verden, so stehts in der Verdener Tagespresse! Kommt alle – zeigt euren Protest, damit in Verden die letzten Lichter nicht ausgehen!

Freund der Selbstverwaltung im Juz Verden
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Ergänzungen

Presse Verden (bei Bremen)

Pressebeobachter 07.07.2008 - 15:28
Verdener Nachrichten vom 07.07.2008

Protest vorm Rathaus geplant
Brockmann zum Jugendzentrum

Von unserem Redakteur
Rolf-Dieter Vogeler

VERDEN. Im Streit um das Verdener Jugendzentrum bekommt dessen Trägerverein jetzt auch Unterstützung aus der Nachbarschaft. Das Bremer Jugend- und Kulturzentrum "Die Friese" sowie das dortige Mädchenkulturhaus des politischen Jugendverbandes "Bund Deutscher PfadfinderInnen" fordern den Erhalt der Selbstverwaltung des JuZ. Für den Tag der Ratssitzung am morgigen Dienstag, 8. Juni, rufen sie zur Teilnahme an einer Protestveranstaltung ab 15.30 Uhr auf dem Rathausvorplatz auf.

In einer Pressemitteilung verteidigt jetzt Bürgermeister Lutz Brockmann die Ratsvorlage, über die morgen entschieden werden soll. Wie er ausführt, sei im ersten Workshop zum JuZ im Jahre 2007 zwischen allen Fraktionen Übereinstimmung erzielt worden, dass Verden ein Jugendzentrum brauche, dass der jetzige Standort ideal sei und die "Dampfmühle" weiterhin als Jugendzentrum genutzt werden solle, so Brockmann.

Kompromissvorschlag abgelehnt

Da jedoch auch Mängel benannt worden seien, habe die Verwaltung den Auftrag erhalten, zusammen mit dem Verein Jugendzentrum Vorschläge für eine bessere Organisation zu erarbeiten. Der Kompromissvorschlag, "den Trägerverein mit einem Beirat aus Ratsmitgliedern zu unterstützen", sei jedoch von dem Verein abgelehnt worden.

Um die städtischen Sozialpädagogen besser einsetzen zu können, sei eine gemeinsame Trägerschaft für die Aufgaben "Jugendzentrum" und "Streetwork" nötig. Dies könne der Verein Jugendzentrum nicht leisten. Deshalb habe er, Brockmann, vorgeschlagen, in Anlehnung an den früheren Stadtjugendring ein "Netzwerk Jugendarbeit" zu gründen. Dieses Netzwerk solle künftig Träger beider Aufgaben sein sowie "untereinander die Angebote für Kinder und Jugendliche abstimmen und gemeinsam die Kinder- und Jugendbeteiligung in Verden fördern", so Brockmann unter Verweis auf die ähnliche Funktion der Arbeitsgemeinschaft Verdener Sportvereine.

Einladung an Jugendliche

Sobald der Rat den Grundsatzbeschluss zum Aufbau des Netzwerkes gefasst habe, werde er dessen Gründung vorbereiten, schreibt der Bürgermeister. "Parallel werde ich im September alle interessierten Jugendlichen einladen, den Umfang und die künftige Form der Jugend-Selbstverwaltung im Jugendzentrum gemeinsam zu besprechen." Nach 30 Jahren sei die Zeit gekommen, die Form der Selbstverwaltung im JuZ "weiterzuentwickeln und den heutigen bzw künftigen Anforderungen anzupassen".


Verdener Nachrichten 07.07.2008

"Das Jugendzentrum ist nicht autonom"

Interview mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Gebhard Rosenthal über das Jugendzentrum "Dampfmühle"

Seit sich der zuständige Ausschuss dafür ausgesprochen hat, die Leitung des Jugendzentrums zunächst der Stadt und später einem Netzwerk Verdener Vereinen zu übertragen, regt sich heftiger Widerstand. Die Christdemokraten im Stadtrat sind die treibenden Kräfte für die Veränderungen im Jugendzentrum "Dampfmühle". Im Gespräch mit unserem Redakteur Ulrich Tatje erläuterte CDU-Fraktionsvorsitzender Gebhard Rosenthal die Gründe für diesen Beschluss und die damit verbundenen Ziele.

Herr Rosenthal, wann waren Sie zuletzt im Jugendzentrum?

Seit 2005 beschäftigt sich die CDU-Fraktion intensiv mit diesem Thema. Fraktionsmitglieder waren seitdem wiederholt im Jugendzentrum und haben sich einen genauen Überblick über Angebote und Strukturen verschafft. Ich selbst war zuletzt im vergangenen Jahr mit der Fraktion im Rahmen einer Besichtigung im Jugendzentrum.

Was hat Ihnen dort gut gefallen?

Der positive Eindruck war, dass die Jugendlichen dort in einem eigens dafür hergerichteten Raum Gelegenheit hatten, Musik zu machen. Das hat mir gefallen, das ist eine sinnvolle Sache.

Und was kritisieren Sie?

Ich will keine Prioritäten aufstellen, die Kritik ist umfassend. Aber es gibt dort zum Beispiel einen Raum, der für eine links-extremistische Vereinigung vorgehalten wird. Wie die Vereinigung heißt, weiß ich auch nicht. Aber sie gehört zur Antifa-Struktur Rotenburg/Verden. Dafür wollen die Verdener kein Geld ausgeben. Wir müssen auch klären, ob es sinnvoll ist, politisch ausgerichteten Vereinigungen überhaupt Zugang zum Jugendzentrum zu gewähren und ihnen dort auch noch eine feste Adresse einzuräumen.

Es geht also nur um diese eine Gruppe?

Nein, das war nur ein Beispiel. Aber leider prägt diese Gruppe das Leben im Jugendhaus ganz stark. Daraus leitet sich unser Vorwurf an den Trägerverein ab, der in dieser Hinsicht versagt, nicht eingegriffen hat. Die Stadt hat mit dem Verein einen Vertrag geschlossen. Der Verein hat eine verantwortungsvolle Tätigkeit: Er muss dafür sorgen, dass im Haus alles vernünftig läuft. Dabei ist er gescheitert, was in der Folge dazu führte, dass das Jugendzentrum heute nur noch ein Nischendasein fristet und nur für eine sehr kleine Gruppe Jugendlicher überhaupt noch interessant ist. Das hat nicht zuletzt auch die Demonstration am vorletzten Sonnabend gezeigt.

Was meinen Sie, wenn Sie im Zusammenhang mit der Selbstverwaltung den Begriff "nicht mehr zeitgemäß" verwenden?

Es gibt entgegen aller Behauptungen keine Selbstverwaltung, es gibt allerdings einen Vertrag zwischen der Stadt und dem Trägerverein. Der regelt Aufgaben und Befugnisse des Trägervereins für das städtische Haus "Dampfmühle". Man kann vielleicht von einer gefühlten Selbstverwaltung sprechen im Verhältnis zwischen Trägerverein und den jugendlichen Nutzern. Das Jugendhaus ist auch nicht autonom, man kann auch insoweit allenfalls von einer gefühlten Autonomie sprechen.

Der Rat will erst den Verein entmachten und dann ein Konzept aufstellen. Zäumen Sie damit nicht das Pferd von hinten auf?

Ich glaube nicht, dass das so ist. Wir beschäftigen uns seit 2005 mit dem Thema, haben an allen Workshops teilgenommen. Am Ende gab es einen Lösungsvorschlag, der die Probleme aber nicht löst. Wir wollen neue Strukturen schaffen mit einem Netzwerk von Leuten, die professionell mit Jugendarbeit zu tun haben. Wir wollen Fachleute dabei haben. Daraus entsteht dann praktische Jugendarbeit. Wir wollen also ein fachlich besseres und moderneres Angebot in einer städtischen Immobilie schaffen. Dafür gibt es einen breiten demokratischen Konsens in unserer Stadt.

Gibt es dieses Netzwerk schon?

Nein, das gibt es noch nicht. Mit dem Ratsbeschluss am Dienstag soll dafür erst die Basis geschaffen werden. Einige Vereine haben auch bereits bekundet, dass sie sich vorstellen können, in dem Netzwerk mitzuarbeiten.

Was geschieht mit den Jugendlichen, die dann entmachtet werden?

Ich stelle in Abrede, dass jemand entmachtet wird. Es gibt eine breite Basis unter Jugendlichen, Eltern und Politikern, die die heutigen Strukturen nicht akzeptieren. Es gibt nur eine kleine Klientel, die es so belassen will wie bisher. Ein demokratischer Veränderungsprozess ist keine "Entmachtung".

Sie sprachen von linksextremen Jugendlichen im Jugendzentrum. Was passiert dann mit diesen?

Ich will sie nicht rausschmeißen. Aber sie sollen nicht mehr prägend sein für das, was im Jugendzentrum läuft. Das verlangt Toleranz gegenüber Andersdenkenden - von allen Beteiligten. Das Jugendzentrum soll wieder bunt und vielfältig werden.

Halten Sie ein Jugendzentrum für möglich, in dem sich sowohl Linke als auch Bürgerliche wohl fühlen?

Ich begrüße, wenn sich Jugend politisch engagiert. Es wird ja vielerorts beklagt, dass die Jugend zu unpolitisch ist. Aber Politik soll nicht die erste Geige spielen im Jugendzentrum. Alle Gruppen werden wir nicht erreichen können, aber wir möchten, dass das Jugendzentrum einem breiteren Spektrum von Jugendlichen offen steht, es soll bunter werden. Darauf lege ich viel Wert. Der Schlüssel dazu ist, dass sich Angebote und Inhalte ändern.

Wird der Stadtrat künftig im Jugendzentrum mitreden?

Das Netzwerk wird die Verantwortung übernehmen. Es wird auch Arbeitgeber für die Mitarbeiter im Jugendzentrum. Der Rat wird mit dem Netzwerk eine Zielvereinbarung schließen und auf deren Einhaltung dringen. Ein weiterer Einfluss ist nicht vorgesehen.