[Jena] "450 Jahre Uni - Wir feiern nicht!"

BlackRedPress - UWE 15.05.2008 18:12 Themen: Bildung
(BRP/UWE) Kleinbürgerlich, repressiv, elitär: zum 450. Geburtstag der Uni in Jena zeigt sich die Stadt von ihrer „besten“ Seite. Im Rahmen der Festwoche fand am heutigen Donnerstag der universitäre Umzug statt. Seine Magnifizenz, der Unirektor Klaus Dicke, Senat und Gäste befreundeter Universitäten präsentierten sich in quasi-adliger Manier.
Bejubelt von umstehenden SpießbürgerInnen zogen die ca. 30 greisen Würdenträger vorbei an historisch bedeutsamen Orten der Universität. Kurz nach dem Start des Zuges, auf dem Wege zum offiziellen Festakt im Volkshaus, stoppte die Prozession. Knapp 50 Studierende demonstrierten lautstark mit Transparenten vor dem Zug und blockierten diesen kurzzeitig. Im entstandenen Handgemenge wurde seiner Magnifizenz eine besondere Gratulation überreicht: Eine Sahnetorte traf ihn ins Gesicht.

In einem verteilten Flugblatt wiesen die ProtestantInnen auf die bestehenden Missstände hin. Studentische und wissenschaftliche Mitbestimmung wird zu Gunsten der Mitsprache von wirtschaftlichen Vertretern beschnitten. Gleichzeitig sollen sich die Unis ökonomisch zunehmend selbst tragen, was eine Ausrichtung hin zu marktrelevanter Forschung und Lehre erzwingt. Ökonomisch weniger verwertbare Studiengänge werden schlicht gestrichen. Modularisierung und Bachelorabschlüsse verschulen das Studium und senken deutlich die Qualität eines freien Studiums. Dies wird außerdem mit steigenden Kosten für die StudentInnen belegt, wodurch finanziell schlechter Gestellte dem Studium fern bleiben werden. Die Universität als Ort des freien Geistes ist also in einer Notlage. Praktisch für Unternehmen, aber mitunter fatal für die Betroffenen. Am Samstag, den 17.05. bietet sich eine weitere Möglichkeit zum protestieren. Der Zug der Jenaer Wissenschafts-Geister wird ab 14 Uhr durch die Straßen ziehen. AktivistInnen haben sich bereits angekündigt: „Das war der erste Streich und der zweite...“.


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Ergänzungen

ein stück vom

kuchen 15.05.2008 - 21:31
von wem ist denn das nette rote transpi "piece of cake" und was steht da sonst drauf?

piece of cake

tolle torte 15.05.2008 - 22:00
piece of cake wuerde ich sagen :D

auch der festredner des abendprogrammes

tortischlumpf 15.05.2008 - 22:20
ex ministerpräsi bernhard vogel, durfte die vielgerühmte jenaer gastfreundlichkeit bereits kennenlernen

 http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,139689,00.html

Leipzig: Linksradikale stören Vortrag

http://www.lvz-online.de 18.05.2008 - 15:13
Zu Ausschreitungen von Leipziger Linksautonomen ist es am Donnerstagabend im ehemaligen Stasi-Kinosaal des Museums an der Runden Ecke gekommen. Der Evangelische Arbeitskreis im CDU-Kreisverband Leipzig-Stadt hatte gemeinsam mit dem Bürgerkomitee zum Frühjahrsforum geladen. Gast war der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse von der TU Chemnitz, der zum Thema: "Politischer Extremismus und seine Wahrnehmung in Deutschland - Die langen Schatten der Vergangenheit" sprach. Als Moderator fungierte der CDU-Landtagsabgeordnete und ehemalige sächsische Innenminister Heinz Eggert.

Jesse wurde von Beginn seiner Ausführungen an immer wieder unterbrochen und niedergebrüllt. Angebote, mit den Anwesenden im Anschluss zu diskutieren, wurden ausgeschlagen. Schließlich ließ Leipzigs neuer Polizeipräsident Horst Wawrzynski, der ebenfalls anwesend war, in der aufgeladenen Atmosphäre mit Bereitschaftspolizei die Störer entfernen. Eine "Initiative gegen jeden Extremismusbegriff" erklärte am Abend: "80 Menschen protestierten heute vor und in der Runden Ecke vehement gegen den Extremismusforscher Eckhard Jesse".

Jesse erläuterte im Anschluss seine Ansichten zum Extremismus in der Gesellschaft und vertrat unter anderem die These, dass Rechts- und Linksextremismus die beiden Enden eines Hufeisens seien, die sowohl entfernt als auch einander nahe seien. Jesse erklärte gleichzeitig: "Es ist schlimm in einer Gesellschaft ohne Extremismus zu leben." Dies bedeute nämlich Intoleranz. Verbote von Parteien würden nicht weiterhelfen. "Es darf keine Freiheit zur Abschaffung der Freiheit geben."

Aufgrund der Geschichte werde allerdings in Deutschland der Rechtsextremismus dramatisiert und der Linksradikalismus bagatellisiert. Mit Blick auf die linksautonome Szene sagte Jesse, diese sei weit von der studentischen Bewegung der 68-er entfernt. "Damals wurde noch diskutiert. Heute ist die autonome Szene intellektuell nicht mehr in der Lage, auf Argumente einzugehen."

Das Bürgerkomitee erklärte im Anschluss an die Veranstaltung seine tiefe Bestürzung über die Vorfälle. Man sei sehr betroffen, hieß es. CDU-Kreisvorsitzender Hermann Winkler hatte bereits im Vorfeld der Veranstaltung gefordert, die Stadt Leipzig möge einen Extremismusbericht analog des Verfassungsberichts vorlegen, der sowohl rechts- als auch linksradikale Tendenzen einbeziehe.

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