Indymedia Journalisten in Ecuador im Visier
In Ecuador nahm die Polizei am Dienstag Abend, 6. Mai, fünf Journalisten fest, die für Indymedia Ecuador arbeiten. Vier von den Fünf wurden am Mittwoch Nachmittag wieder aus der Haft entlassen. Die Regierung sagt, dass die vier Aktivisten wegen ihrer Beziehung zum fünften Häftling festgenommen wurden, ecuadorianischer Staatsbürger kolumbianischer Abstammung Antonio Alcívar.
Die Regierung weigerte sich zuerst eine Begründung für die Verhaftungen abzugeben. Die Menschenrechtsorganisation Fundación Regional de Asesoría en Derechos Humanos (INREDH) merkte an, dass dies ein Verstoß gegen das Recht der Gefangenen sei, die über den Grund ihrer Verhaftung und über die Identitäten der informiert werden müssten, die ihre Festnahme gefordert und durchgeführt haben.
Ecuador IMC: Korrespondenten von Indymedia Ecuador Opfer von willkürlicher Verhaftung (sp) || DRINGEND: SOLIDARITÄT MIT DEN UNABHÄNGIGEN JOURNALISTEN (sp) || Meldung über die Verhaftung von Mitarbeitern Indymedias in Ecuador (sp) || Journalisten wieder freigelassen (weiterführende Infos) (sp) || IMC Brasilien: Korrespondenten von Indymedia Ecuador Opfer von willkürlicher Verhaftung (portugiesisch) || Upside Down World
Laut der Menschenrechtsorganisation INREDH ist davon auszugehen, dass Alcívar wegen seiner Anklagen wegen Waffenhandel von der Kolumbianischen Sicherheitsbehörde (DAS) ins Visier genommen wurde. Ihm wird vorgeworfen Kontakte zur Guerilla Gruppe, Nationale Befreiungsarmee Kolumbiens (ELN), zu haben.
Ecuadorianische Ankläger werfen Alcívar vor, sich mit falscher Identität ausgewiesen zu haben. Der Häftling soll angeblich vier Decknamen benutzt haben.
Indymedia Ecuador beschuldigt die Regierung, Journalisten wegen linker Organisation und ihrer Medienarbeit ins Visier genommen zu haben. Außerdem wird betont, dass Indymedia - eine internationale, unabhängige Medienplattform, die einer breiten Palette von Mitwirkenden offen ist - nicht für die Aktivitäten aller Mitwirkenden verantwortlich sein kann.
Die Mitwirkenden Indymedias Ecuador haben sich kritisch über die Unterstützung der groß angelegten Bergbau-Pläne und des Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union durch Präsident Rafael Correa geäußert.
Laut INREDH scheint es, dass "dieser [Einsatz] unternommen wurde, um die alternative Presse, die Informationen kritisch angehen und sich für soziale Kämpfe einsetzen, einzuschüchtern. Diese Aktion stellt eine Verletzung auf das Recht der freien Meinungsäußerung dar."
Die Verhaftungen geschahen kurz nach dem Angriff der kolumbianischen Armee auf ein Camp der FARC in Ecuador am 1. März. Dieses Ereignis löste in der Region eine Krise aus und die diplomatischen Verbindungen zwischen Quito und Bogotá sind noch immer unterbrochen. Um den Angriff zu rechtfertigen hat Kolumbien einige Behauptungen aufgestellt - sowohl öffentlich, als auch in aufgeflogenen Dokumenten, die von anonymen Quellen öffentlich gemacht wurden - dass es in Ecuador Verbindungen zur FARC gäbe. Die ELN ist Kolumbiens zweitgrößte Guerillagruppe und wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von der Regierung, rechten Paramilitärs und der FARC angegriffen. Obwohl die zwei Guerillagruppen in der Vergangenheit manchmal zusammen gearbeitet haben, stritten sie sich in letzter Zeit immer öfter über das Hoheitsgebiet der ELN nahe der venezolanischen Grenze.
Indymedia Ecuador und INREDH zufolge hat die Politische Polizei (PJ) und die Vermittlungs- und Rettungsgruppe (GIR) die Verhaftungen durchgeführt. Die Journalisten wurden auf der Straße festgehalten und dann nach hause gebracht, wo in brutaler Art und Weise Durchsuchungen durchgeführt wurden. Angeblich haben Agenten in den Wohnungen der Journalisten Computer, Dokumente und Laufwerke beschlagnahmt. Sie sollen sogar ein Che Guevara Poster als "Beweis" beschlagnahmt haben.
Indymedia Ecuador organisierte am Mittwoch um 11:00 eine Pressekonferenz vor der Polizeiwache in Quito, wo die Journalisten festgehalten wurden. Und um 15:00 Uhr demonstrierten 50 Aktivisten von der Polytechnischen Universität Ecuadors zur Polizeiwache, um eine faire und legale Behandlung der Verhafteten und die Veröffentlichung der Anklage zu fordern.
Laut INREDH wurde den Häftlingen nicht versagt, ihre Anwälte zu sehen. Sie wurden allerdings dazu gezwungen, auszusagen, während von der Polizei bereitgestellte Anwälte anwesend waren.
Die Aktivisten und dei INREDH beschweren sich bei der Ecuadorianischen Innenpolizei und bei internationalen Menschenrechtsorganisationen.
Es ist nicht klar, warum die ecuadorianische Regierung diese Verhaftungen veranlasst hat. Auch ist fraglich, warum die Verhaftungen mit den letzten Konflikten mit Kolumbien in Verbindung stehen sollen. Es scheint, dass Präsident Correa die kolumbianischen Anschuldigungen wieder aufnehmen will und versucht, die Entschlossenheit der Regierung zu demonstrieren, um die to Präsenz der Guerilla in Ecuador zu entwurzeln - und einige Kritiker in der Linken in diesem Prozess einzuschüchtern. Artikel von Daniel Denvir, Email: daniel.denvir@gmail.com
Daniel Denvir ist unabhängiger Journalist und Mitwirkender bei der Lateinamerikanischen Agentur für Informationen (www.alainet.org) in Quito, Ecuador. Er hat 2008 das Samuel Chavkin Investigative Journalism Stipendium. Außerdem ist er Mit-Herausgeber des bald erscheinenden Journals Caterwaul Quarterly (www.caterwaulquarterly.com).
Quelle: http://upsidedownworld.org/main/content/view/1274/1/
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Ergänzungen
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Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
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