2001 - Das war das Jahr bei indymedia.de

dev/(A) 25.12.2001 00:34 Themen: Indymedia
Ein kurzer Abriss zur Entstehung und zum ersten Jahr von indymedia.de
Entstehungsgeschichte
Indymedia Deutschland wurde "als Teil eines internationalen, hierarchiefreien Netzwerks im weltweiten Widerstand gegen die kapitalistische Globalisierung, als ein multimediales Netzwerk unabhängiger und alternativer Medien, MedienmacherInnen, engagierter Einzelpersonen und Gruppen" Anfang dieses Jahres gegründet. "Es bietet offene, nichtkommerzielle Berichterstattung, Raum für Diskussionen sowie Hintergrundinformationen zu aktuellen sozialen und politischen Themen". "Zentraler Ansatz" ist es, "Gegenöffentlichkeit zu schaffen, indem die Menschen an der gesellschaftlichen Basis direkt zu Wort kommen". So formuliert es das mission statement  http://de.indymedia.org/static/ms.html von indymedia.de.
Unter diesen Maßgaben ging anderthalb Jahre nach dem Start des ersten indypendent media centers (IMC) in Seattle im März dieses Jahres indymedia Deutschland anläßlich des Castor-Transports nach Gorleben mit online. Beim ersten Artikel  http://de.indymedia.org/2001/03/45.html handelte es sich noch um eine kopierte Pressemitteilung des BUND.
Indymedia wurde besser angenommen, als die "MacherInnen" sich dies je erträumt hätten.
Mittlerweile wurden weltweit über 70 regionale independent media center gegründet.
Die hohe Popularität von indymedia führte zum einen zu einem sehr hohen Aufkommen an postings, die nicht den Ideen von indymedia entsprachen, weil es keine Selbstverfassten Berichte von "der Basis" waren, sondern kopierte Zeitungsartikel, Statements von politischen Gruppierungen, oder schlichtweg nachrichtenlose, provozierende oder sabotierende (z.B. Falschmeldungen) postings.
Um die Grundlegende Idee des open postings nicht in Frage zu stellen, wurden Moderationskriterien  http://de.indymedia.org/static/moderation.html aufgestellt, nach denen alle Artikel aus dem open posting transparent nachvollziebar moderiert werden, d.h. in den newswire auf der Startseite, in die verschiedenen Rubriken oder eben auch ins "Müllarchiv" einsortiert werden.
Das Moderationskonzept für Artikel wird erfolgreich angewandt. Schwierigkeiten bereiten indes eine derzeitige Kommentarschwemme unter den Artikeln.  http://de.indymedia.org/2001/12/12812.html
Kommentare werden nur ausnahmsweise gelöscht, aber nicht moderiert. Die Diskussion, wie mit dem derzeitigen "Kommentartrollhaus" umgegangen werden sollte, ist noch nicht abgeschlossen.

Jahresrückblick
Die Berichterstattung zum ersten Castor-Transport des Jahres ermöglichte es, dem Infowar von Polizei und Medien  http://www.de.indymedia.org/2001/03/839.html ein wahrnehmbares Gegengewicht zu verleihen. Der Gesamteinsatzleiter der Polizei, Lügenbaron Hans Rheime,  http://www.de.indymedia.org/2001/11/10144.html der im Vorfeld von geplanten Säureattentaten auf Polizisten fabulierte, musste dies z. B. kleinlaut zurücknehmen.  http://www.de.indymedia.org/2001/04/978.html

Über viele kleine und alle Großereignisse des "Summer of Resistance"  http://www.de.indymedia.org/2001/05/2575.html berichteten Menschen vor Ort.
Angefangen vom EU-Vorbereitungsgipfel in Freiburg, über die für die Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung einschneidenden Ereignisse in Göteborg und Genua und das WEF-Treffen in Salzburg, die Aktionen gegen das abgesagte Weltbanktreffen in Barcelona, bis zur Weltklimakonferenz in Bonn.

Der 11.9. verschärfte auch in Deutschland das politische Klima. Extremisten wie Otto Schily und Konsorten sahen die Gunst der Stunde gekommen, bürgerliche Grundrechte einzustampfen, als wären sie eine Last aus längst vergangenen Zeiten:
Weiterer Ausbau des Sicherheitsstaates  http://de.indymedia.org/2001/12/11608.html
Militarisierung nach Innen  http://de.indymedia.org/2001/10/8710.html

Während in den gleichgeschalteten Medien das göbbelsche Trommelfeuer für den Krieg um das Überleben der Zivilisation losbricht, um die Nation kampfesmutig zu stimmen, erscheinen bei indymedia Beiträge, die die strategischen Interessen der Kriegstreiber benennen, sowie eine umfangreiche Berichterstattung über die Protestaktionen gegen diesen Krieg:
Krieg ist Frieden!  http://de.indymedia.org/2001/12/12756.html
Das Bombardement hat begonnen  http://de.indymedia.org/2001/09/7434.html
Zehntausende demonstrieren gegen den Krieg  http://de.indymedia.org/2001/10/8656.html

Diese Berichterstattung macht öffentlich, daß nicht alle dem Diktum der "uneingeschränkten Solidarität" mit den USA folgen, wenn es darum geht, völkerrechtwidrige Angriffskriege zu führen, um einen vermeintlichen Terroristen zu bombardieren, der sich möglicherweise in Afghanistan versteckt hält und dadurch hunderte, wenn nicht tausende unschuldige Opfer in Kauf zu nehmen.

In diesem Zusammenhang sei auf den Einfluß und die Glaubwürdigkeit von Beiträgen bei indymedia hingewisen.
Nach den Anschlägen zeigte CNN Bilder von Palästinensern, die die Attentate feierten. Ein brasilianischer Student veröffnetlichte auf der globalen indymedia site  http://www.indymedia.org eine Meldung, wonach die gezeigten Videoaufnahmen bereits 10 Jahre alt seien. Er trat damit eine Welle der Empörung los. Von höchster Stelle dementierte CNN, die FAZ echauffierte sich, die jungle world freute sich hämisch. Doch allesamt zu früh, der Student entschuldigte sich schließlich für die Falschmeldung, CNN nicht, obwohl das TV-Maganzin Panorama nachwies, daß die Aufnahmen zwar neu, aber gestellt waren:
CNN, Indymedia und Gerüchte über jubelnde Palästinenser  http://www.de.indymedia.org/2001/09/7869.html

Auch über die letzten Großereignisse dieses Jahres, den EU-Gipfel Mitte Dezember in Brüssel, bei dem über 100.000 Menschen friedlich oder militant auf die Straße gingen: EU-Gipfel in Brüssel: Protest gegen Krieg, Sozial- und Grundrechteabbau  http://de.indymedia.org/2001/12/12293.html
und den Aufstand gegen die Folgen des neoliberalismus in Argentinien,  http://de.indymedia.org/2001/12/12739.html
wurde auf indymedia.de eingehend berichtet

Überblick
Einen guten Überblick über die Berichterstattung auf indymedia.de geben die bislang erschinenen Printausgaben, in denen wichtige Beiträge zusammengefasst wurden. Die Übersicht der Printausgaben ist hier aufgelistet:  http://de.indymedia.org/2001/11/11276.html#2
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

bisschen mehr Kritik angebracht

werauchimmer 25.12.2001 - 01:55
Tja, Jubel, Jubel, nur die Kommentare sind manchmal doof? Ganz so rosig ist das nicht. So toll funktionieren die Moderationskriterien naemlich nicht, und die Diskussion um Kriterien gegen Antisemitismus ist eine ernstzunehmende Angelegenheit, und waere auch eine etwas kritischere Einschaetzung bei indymedia wert...

Schöner Überblick

007 25.12.2001 - 04:35
Könnt ja fast ne Print-Sonderausgabe werden - oder? Das mit der Kritik ist sicher auch ok. Aber ichtsdestotrotz: Schöner Überblick!

Danke!

Pete 25.12.2001 - 04:57
Eine Idee zu sowas hatte ich heute übrigens auch beim Schneeballwerfen....

Besinnliches zum Jahreswechsel

messerjocke 25.12.2001 - 09:46
Zu allererst bedanke ich mich bei den Leuten von IMC für die gute Arbeit,die ihr in eurer Freizeit für das neue Medienprojekt aufgewendet habt.......... Was ich gut finde: IMC ist keine Infobörse für die ohnehin unsäglich marginalisierten Organisationen, die ham ja ihre eigenen Foren. Bei imc ist es gelungen,sowohl einen Gegenöffentlichkeitsjournalismus auf den Weg zu bringen,als auch eine politisch offene Debatte über die Beiträge zu ermöglichen. Das sollte beibehalten werden. Auch spontane Motzereien von KommentatorInnen sollen bleiben. ........... Was ich nicht gut finde: Wenn in Argentinien eine Hungerrevolte ausbricht,kommt das sofort auf die Startseite, wenn sich in England (meist) Jugendliche gegen Faschisten auf der Strasse zur Wehr setzen und die Sicherheitskräfte die Machtfrage aufmachen (Odham) ,bleibt die Info im OpenPosting,mit der Begründung,diese Info sei nicht von unten berichterstattet worden und Mensch könnte die bei imc.uk locker abfragen und überhaupt,dann sollte ich halt die britischen Texte übersetzen. Hier würde ich mir mehr Sensibilität und Bewusstsein für Bewegungen bei euch wünschen -bin immer noch etwas idigniert über die Abfuhr der ModertorInnen. Für den Umgang mit den sogenannten Antidoitschen rege ich mehr Entspannung an, deren Antisemitsmusvorwürfe werden langsam sowas von beliebig,das ich die nicht mehr Ernst nehme und nicht mehr rezipiere -was ich anfangs noch gerne getan habe,aber es gibt bei denen keinerlei Entwicklung und ich habe auch nix mehr an Erkenntnisgewinn. ......... So far,einen guten Jahreswechsel und neue Herausforderungen stehen uns allen bevor ... "ohne Zefall gibts keine Erneuerung"

Indy ist Gut!

Nina 25.12.2001 - 10:31
und auch wie indy durchgeführt wird ist Gut, aber indy muss Frei bleiben, Strategien gegen Zensur und Einnahmeversuche, wie sie sich in Letzter aus Teilweise bekannten häuften müssen noch Perfektioniert werden, das indy nicht nach dem Prinzip wer am Lautesten schreit und jammert hat Recht, zu einem Organ Extremistischer Gruppierungen, Uninterresant oder defamiert wird und verschwindet.

Also....

Lausi 25.12.2001 - 12:49
...ich denke, daß auch ein wenig positive Wertschätzung manchmal ganz gut wäre. Kritik ist natürlich wichtig, aber in letzter Zeit wird aus der Kritik immer mehr Selbstzerfleischung. Deshalb ruhig auch mal das Positive herausarbeiten und daran ansetzen, anstatt immer gleich alles zu zerreissen...

Johoho

joho 25.12.2001 - 15:20
Ich denke das Forum ist so, wei es ist noch nicht otimal. Lernt doch lieber von Diesnten wie Slashdot.org und Newsforge. Deren PHP-Oberflächen sind übrigens Open Source, könntet ihr also auch adaptieren. Es wäre auch gut, wenn Mehr Hinweise auf aktuelle Nachrichten und externe, hochqualitative Newsletter ins posting einbezogen werden würden. Und wenn die Trolllatte ein bisschen höher gelegt würde.

Demozeit

Demlich 25.12.2001 - 15:21
Das Jahr ist noch nciht vorbei, ich hoffe ihr kommt alle nach Wilhelmshaven zur Grossdemonstration!

@ NINA

colin 25.12.2001 - 19:55
da haste genau recht, finde ich!

Frank Sinatra 26.12.2001 - 00:28
Nett, dass hier seit 17.09 Uhr der Kommentar eines Nazis stehenbleiben darf.

schönes neues Jahr und so...

Guena Ventura Diaz 26.12.2001 - 22:11
Die Kritik überlass ich heude ma´ den anderen wünsche euch alle ein schönes neues Jahr -supa dass es euch gibt. bis nächstes Jahr...

28.12.2001 - 15:05
stand wohl ziemlich lange ein kommentar eines nazis hier (jetzt ist er weg) und das ist auch ein symptom für die politische uneindeutigkeit von indy. was indy leistet ist nämlich tatsächlich eine infobörse zu sein. was darüber hinaus geht, ist oft genug schamesröte ins gesicht treibend.
dazu gehört auch, dass die diskussion um antisemitismus hier praktisch keine erwähnung findet. wenn eindeutig antisemitischer scheissdreck hier stehen bleibt, im sinne eines irgendwie linken pluralismus, dann zeigt das genau das problem an indy. das wissen hier eigentlich auch alle (viele fanden die texte wohl sogar gut), aber an der liebgewonnenen "seite für den linken alltag" darf ja nicht gekratzt werden und wenn, dann war es sowieso nur die eine sekte da aus berlin (oder tel aviv).
wie oft ich schon der bahamas oder ADK zugerechnet wurde - langsam fang ich an, zu glauben, dass ich justus wertmüller bin.

???

machen statt motzen 28.12.2001 - 17:25
vielleicht ist es weniger ein zeichen für die "politische uneindeutigkeit von indy", wenn ein nazikommentar einige stunden auf der seite bleibt, als vielmehr für die chronischen unterforderung der moderationsgruppen, in denen viel zu wenig leute sind???

Hallo Technik

dev/(A) 03.01.2002 - 13:56
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Habt Ihr da irgendwelchen fiesen oder kaputten tags eingebaut?